Sonntag, 22. April 2012

Hallo Hanoi

In Hanoi ist grad Wahlkampf, evtl. sind die Gassen aber auch immer so schön rot beflaggt.

durch die Gasse der roten Flaggen zu unsererm Guesthouse

Abgesehen von den unzähligen Läden, die entweder Touren in alle Winkel des Landes oder Sachgüter an den Touristen verkaufen, hat die Hauptstadt durchaus ihren Charme.

herrliche Großstadtidylle

Wie so oft ist es am spannendsten die Einheimischen bei ihrem Tageswerk zu beobachten, so wie diese Blumenfachverkäuferin oder diese Krötenenthauptungsmarktfrau. Unglaublich wie lange Kröten ohne Kopf noch rumspringen und mit den Gliedmaßen strampeln.

Blumenfachverkäuferin Krötenenthauptungsmarktfrau

Zu diesem Zeitpunkt ist ja mein Netbook schon eine Weile außer Betrieb gesetzt. Nur ganz kurz überlege ich, diese Fachwerkstatt in Hanoi mit der Reparatur zu beauftragen. Stattdessen begutachten wir ein paar Sehenswürdigkeiten und versuchen jemanden zu finden, der uns für 1-2 Wochen ein Motorrad für einen Trip in den Norden leiht.

genau was ich brauche: Repair HDD Recover DATA Temple of Literature, glaub ich

Schließlich ist Wahltag und wir lassen meinen Rucksack in einem Guesthouse zurück, verzurren Ramonas am Päcki einer Honda GL PRO 160cc und machen uns auf nach Norden.

Wen er wohl gewählt hat?

Samstag, 31. März 2012

Das Haiphong Massaker

Idyllisch oder? Allerdings müssen wir für diesen Ausblick auf die Halong Bay zunächst das Massaker von Haiphong überstehen.

1a Aussichtspunkt auf Cat Ba

Unser nächstes Ziel ist nämlich Cat Ba Island. Dazu nehmen wir einen frühen Bus von Ninh Binh nach Haiphong. Vor Ort flitzen wir nach kurzem Feilschen als Sozius zweier Motos vom Busbahnhof zum Hafen.
Hier beginnt unser mehrstündiger Kampf, unbetrogen auf das Boot zu kommen. Die Moto-Fahrer setzen uns direkt an einer Ticketbude ab, damit wir dort überteuerte Fährtickets - und sie 'ne kleine Provision bekommen. Aber so einfach sind wir schon lange nicht mehr übers Ohr zu hauen.

Wir wissen, daß die Tickets 80.000,- Dong für das Slowboat bzw. 100.000,- Dong für das Schnellboot kosten sollen. Da läuft eine vermeintliche Ticketverkäuferin rum, die einem erzählt es gäbe nur noch ein Schnellboot um 12 und das koste jetzt 220.000 Dönger. Wir streifen etwas durchs Gelände, um andere Abfahrtzeiten und Fahrpreise in Erfahrung zu bringen. Doch alle haben sich offensichtlich verschworen und bieten ebenfalls nur Tickets um die 200.000 an. Die übliche Mafiamasche: alle halten dicht und teilen die Beute später.
Nach einer Weile tauchen auch noch 3 Westlerinnen auf, die das gleiche Ziel haben. Auch sie riechen den Braten und wir führen gemeinsam unendliche Diskussionen mit Vertretern der Ticketmafia. Hoffnungslos.

Wir satteln unsere Rucksäcke und machen uns zu Fuß in Richtung Stadt auf, um dort unser Glück zu versuchen. Schon nach wenigen hundert Metern kommen wir mit einem sympathischen Taximann ins Gespräch. Ich wittere eine neue Chance und bitte ihn, die tatsächlichen Fährpreise in Erfahrung zu bringen und ggf. Tickets für uns zu kaufen. Als er vom Hafen zurück ist, berichtet er uns, daß die Preise für Touristen höher seien. Er könne uns zwar "normale" Tickets kaufen, aber möglicherweise hätten wir dann Probleme an Board zu kommen. Grrrr.

In einem großen Bogen nähern wir uns gegen 12 Uhr wieder dem Hafen und machen einen letzten Versuch bei einem Ticketverkäufer. Keine Chance, weiter hinten sehen wir schon wieder das uns bekannte Mafia-Ticketmännchen. Das Netzwerk ist gut gestrickt.

Wir beschließen das Boot ohne Ticket zu entern und bei Kontrolle an Board zu zahlen. Endlich ist der Kahn da und es ist offensichtlich, daß es sich um das "nicht mehr operierende" Slowboat handelt. Als die Einheimischen mit Sack und Pack an Board strömen mischen wir uns darunter. Doch die Tickettante hat uns ausgemacht und versucht uns aufzuhalten, zerrt an meinem Arm und zetert lautstark. Ich schüttle sie ab und wir sind erstmal an Board zwischen all den anderen vietnamesischen Passagieren. Aber das Spiel ist noch nicht gewonnen. Zu dritt folgen uns die garstige Tickettante, ihre Komplizin mit dem Hut und das Mafiamännchen. Lautstark erklären sie uns, daß wir das Boot ohne Ticket wieder verlassen müßten. Dabei zerren sie an uns oder unseren Rucksäcken. Immer wieder versuche ich zu deeskalieren und erkläre, daß wir selbstverständlich den normalen Preis zahlen werden. Doch die Tickettante beschimpft uns nun auch noch aufs übelste. "If you don't have the money you better go back home!" und ähnliche Nettigkeiten.

Nie zuvor in Südostasien wurden wir dermaßen drangsaliert, beschimpft und angegriffen. Und nie zuvor ist es körperlich geworden. Deshalb hab ich ewige Rache geschworen und errichte hier meinen offiziellen Pranger. Dieses Onprangering zeigt die drahtziehende Haiphong-Mafia-Königin. Sie ist, zumindes verbal, die aggressivste von allen.

terroristische Tickettante

Hier ist sie allerdings auf der Flucht vor mir bzw. meiner Kamera, als ich nach unserer Rückkehr versuche Beweisfotos zu machen. Doch wie geht nun erstmal unsere Hintour aus?

Die große Komplizin mit dem konischen Hut scheut nicht vor Tätlichkeiten und ich muß sie an beiden Unterarmen festhalten, damit sie aufhört auf meine Brust zu trommeln. Ramona, von Natur aus harmoniebdürftig, ist zu diesem Zeitpunkt schon total eingeschüchtert und geknickt. Sie klammert sich an ihren Rucksack und würde am liebsten zahlen, flüchten oder heulen. Ich erkläre unseren Widersachern, daß wir bereit sind 100.000 statt der korrekten 80.000 zu zahlen. Sie wollen inzwischen auch nur noch 180.000 pro Nase.

Als ich irgendwann 200.000 Dong zücke, scheint das Mafiamännchen einzulenken und verschwindet mit der Kohle vom Boot. Da schreit die gehässige Hexe sofort: "Ha, now you have no ticket when the captain is checking the tickets and you'll have to leave the boat!"
Bestürzt bemerke ich meinen Fehler - Geld wech und keine Tickets! Doch das Mafiamännchen ist nur "half evil" und kommt nach kurzer Zeit tatsächlich mit Papierfetzen zurück, die evtl. als Tickets anerkannt werden könnten. Unterdessen wird die Terror-Tickettante nicht müde, uns weiter zu verfluchen und uns die Pest an den Hals zu wünschen.

Interessante Randbemerkung. Bei all dem Geschreie und Gekämpfe haben wir zwar sämtliche Aufmerksamkeit auf uns gezogen, doch kein einziger der anderen Passagiere ergreift Partei - weder für uns noch für unsere Plagegeister. Alle glotzen nur. Das mag aber auch an der Sprachbarriere liegen. Andere weisse Passagiere sind nicht in Sicht.

Als der Kahn ablegt und die Aggressoren zurückbleiben sind wir vollkommen erschöpft vom Gemetzel und kommen endlich etwas zur Ruhe.

Zwischenstopp in Cat Hai

Irgendwann geht ein Kassierer rum und verkauft Tickets. Niemand außer uns scheint schon welche zu haben. Und was zahlen die Einheimischen? Natürlich 80.000 Dong.
Dieser Fakt macht uns noch mal extra wütend auf die Haiphong-Ticketmafia. Mit welcher Bestimmtheit und Aggressivität sie uns verarschen! Doch wenigstens werden unsere Papierfetzen akzeptiert und wir müssen kein zweites mal zahlen. Später treffe ich am Bug des Bootes die 3 anderen Mädels wieder. Sie haben vorab je 180.000 gezahlt.
Hab mal kurz recherchiert. Auch andere hatten schon Ärger am Hafen von Haiphong.

Ab jetzt wirds für uns wieder entspannt. Auf Cat Ba entdecke ich diese wunderlich behelmten Urzeit-Krebstiere in den Aquarien vor den Restaurants. Sie sind wohl für den Verzehr vorgesehen.

urzeitliche Helmkrebse

Überhaupt gibt es mal wieder Tiere zu entdecken. Die Insel ist abseits von Cat Ba Town recht dünn besiedelt und läßt sich wunderbar auf dem Mopped erschließen. Dabei stoßen wir auf diese seltsame Schmetterlingsansammlung. Auf einer organisierten Dschungelwanderung quer über die Insel taucht weiteres Kleingetier auf. Auf dem Trip sind außer uns noch zwei französische Brüder vietnamesischer Abstammung dabei. Sie erzählen uns, daß sie etwas enttäuscht sind von Ihrem Herkunftsland bzw. der Art wie sie hier behandelt werden. Das Vietkieus in Vietnam oft diskriminiert werden, hatte ich auch schon mal im Buch "Mond über den Reisfeldern" erfahren.
Interessant für uns, wie diese französischen Vietnamesen ein total typisch-französisches Wesen haben. Ein Beweis dafür, daß man komplett von seinem Umfeld geprägt wird.

Schmetterlingshaufen Baumbrücke Dschungelkrebs? Dschungelkröte?

Kurz hinter dem Krötensee, an einer steilen Steigung spaltet ein Krachen unsere kleine Wandergruppe. Zwischen uns und den etwas hinterherhängenden Franzosen knallt plötzlich ein riesiger Ast aus dem Blätterdach. Einer der Brüder bringt sich mit einem beherzten Sprung geradeso noch in Sicherheit. Naja, wer zu spät kommt... aber es is ja nix passiert. Der gleiche Kollege verzichtet später auf den Aufstieg zum Aussichtspunkt und damit auf den grandiosen Blick auf die Halong Bay.

Vorbei an meinem geliebten Reis und entlang eines Steiluferweges werden wir am Ende von einer kleinen Dschunke aufgelesen, die uns zurück nach Cat Ba Town bringt. Die Insel kann sich damit als von uns überschritten betrachten.

mmmh grün schipper schipper

Auf einer weiteren Tour, diesmal mit einem großen stilechten Boot, absolvieren wir die Klassiker in der Halong Bay, also das weswegen man hier eigentlich herkommt.

Na dann wolln wir mal...

Dazu gehört Kanufahren und Baden, die Aussicht von Deck genießen oder einen Berg auf Monkey Island erklimmen. Keine Ahnung wieviel "Monkey Islands" es weltweit gibt, dies ist jedenfalls nicht die erste von uns besuchte Affeninsel, die vollkommen ohne Affen auskommt.

schroff, schroffer, herrlich

Der Tag ist ratzfatz um und während alle anderen sich auf dem Oberdeck philosophischem Geschwätz hingeben, filme ich diese Abendstimmung und sinniere dabei über die Sachen, die das Leben schöner machen und träum von all den schönen Dingen, die uns so viel Freude bringen.

Abendstimmung bei Cat Ba Town umme Ecke

Wir wollen wieder in Haiphong zurück aufs Festland gelangen, alleine schon um dem Hafenpersonal dort einen Besuch abzustatten. Zu diesem Zeitpunkt bin ich fest entschlossen, Fotos von den Mitgliedern der Ticketmafia zu machen und die Gang beim Tourism Office in Hanoi anzuzeigen. Die Rückfahrt ist auch noch ganz witzig. Die ganze Story hab ich aber schon mal in einer Mail an ein Pärchen dokumentiert, das wir auf Cat Ba kennegelernt haben. Die hatten sich auch eine Schlacht mit der Ticketmafia in Haiphong geliefert. Der geneigte Leser mag sich hier an der nur leicht gekürzten Originalfassung dieser eMail gütlich tun.

Meine geplante Petze beim Tourism Office ist leider auch nicht erfolgreich, da es mehrfach umgezogen ist und sich in ganz Hanoi nicht wieder auffinden läßt. Resigniert beschränke ich mich auf das posthume Online-Onprangering, dem ich hiermit Rechnung trage. Somit finde ich endlich wieder meinen inneren Frieden. Mmmmh.

Dienstag, 31. Januar 2012

Von Backpackern im Maßanzug, einem Schlüsselerlebnis und unkontrollierter Aggression

morgens um 7 in Hoi An Rock City

Hoi An ist das Vorzeige-Reisekatalog-Vietnam wie man an diesem Bild unschwer erkennen kann. Doch wir checken den Stand der Dinge, d.h. was hat sich seit 2007 verändert? Dazu mache ich dieses Vergleichsfoto.

Oktober 2007 Mai 2011

Sofort fällt auf: Die Plätze von Zecke und Birne sind besetzt und der Hund ist tot. Ansonsten sieht's noch fast so aus wie damals. Wir haben uns diesmal beim Cafe 96 ins Kondolenzbuch (oder wie das heißt) eingeschrieben. Das kann allerdings auch im Laden nebenan gewesen sein...

Weitere Unterschiede sind in Blickrichtung, auf der anderen Uferseite zu entdecken. Ramona inmitten des Morgenmarktes Die ist inzwischen mit neuen Restaurants zugebaut und erstrahlt abends im Schein von noch mehr Lampions. Die gesamte Altstadt wird stetig um weitere Schneidereien, Kunsthandels- und Schuhgeschäfte erweitert. Was sind das nur für Backpacker, die in Südostasien im Schlabberlook rumlaufen und sich dann in Hoi An Maßanzüge für zu Hause schneidern lassen?

Der schöne Markt ist jetzt regelmäßig von Rentnerbusreisegruppen frequentiert. Erkennbar an einem Regenschirmhochhalter der vorneweg geht. Ganz früh morgens dominiert aber der rege Handel unter den Einheimischen.

Am Cua Dai Beach haben wir unsere nächste Rangelei. Wenn man von der Hauptstraße her einfährt, wird man von 'nem Typen, der wohl aussehen soll wie ein Polizist, in Richtung Parkplatz reingewunken. Das ignorieren wir und nehmen unsere Räder, wie die Einheimischen auch, mit an den Strand und stellen sie an die Palme, unter der wir's uns bequem machen. Tags zuvor war das auch kein Problem, nur haben wir uns da von Nordwesten genähert. Da hat die Parkmafia offensichtlich noch keine Häscher stehen.

Idyllisch-überteuerter Trinkstop auf dem Weg zum Cua Dai Beach

Kurz darauf tauchen zwei Typen auf und meinen wir müßten die Räder vorne parken oder verschwinden. Als ich das ablehne und sie ignoriere, werden sie ungemütlich und werfen unsere Räder um. Wir können also nachgeben oder uns prügeln. Klein beigeben mag ich nach der Aktion aber schon aus Prinzip nicht und wir radeln strandaufwärts auf der Suche nach einem mafiafreien Strandabschnitt.
Nach wenigen hundert Metern merk ich das wir von 'nem Typen auf 'nem Moped verfolgt werden. Wir halten. Er hält. Ich wink ihm zu und sag ihm, daß er enttarnt ist. Er tut so als telefoniert er mit dem Handy.
Unsere Rettung ist das Gelände eines Privathotels. Hier darf unser Verfolger nicht rauf, wir aber unsere Räder abstellen und an den Strand. Ich würd mal sagen 1:0 für uns.

Eine Küche pro Strandstreifen

Abends erwacht der Strand erst richtig zum Leben, wenn die Touristen ab- und die Einheimischen anrücken. Von den Palmen bis zum Wasser ist dann der ganze Strand in imaginäre Streifen aufgeteilt. Oben werden mobile Küchen aufgebaut und die Strandstreifenbesitzer versuchen die potentiellen Kunden auf genau ihren Matten zum Sitzen zu bringen, um sie dann zu beköstigen.

Sonnenuntergang über den Strandstreifen

Im Bus zurück nach Danang versucht der Schaffner wiedermal ein erhöhtes Entgelt von uns einzufordern. Doch aus seinem Touriaufschlag wird nix, wir kennen den tatsächlichen Preis noch von der Hintour. Auch bei der Weiterfahrt im Bus nach Hue haben wir Glück. Der Preis ist außen groß angeklebt. Doch noch auf dem Busbahnhof in Danang versucht das freundliche Begleitpersonal uns den dreifachen Preis zu entlocken. Ich wackel nur freundlich-verneinend mit dem Kopf und deute durch das offene Fenster auf den Aufkleber direkt unter mir. Bestürzt macht sich einer der Betrüger sofort daran, die Aufkleber vom Bus zu entfernen. Sowas soll nicht nochmal passieren.
Natürlich muß man die Dönger für den ÖPNV immer passend haben. Dem Schaffner Wechselgeld aus dem Kreuz zu leiern stell ich mir schier unmöglich vor. Deshalb horten wir stets Kleingeld.

mobiles Aquarium

In Hue schaut Ramona zuerst in dieses mobile Aquarium. Um zur Zitadelle zu kommen greifen wir mal wieder zum Fahrrad. Wir bekommen Schloß und Schlüssel, die ich in den Fahrradkorb vorne am Lenker werfe. Vor Ort angekommen hat sich der Schlüssel verselbständigt und seinen Weg aus dem Schloß und durch eines der zahlreichen Löcher im Korb gefunden. Wir fahren die Strecke nochmal ab auf der Suche nach dem verlorenen Schlüssel. keine 5 Minuten und wir haben einen neuen Schlüssel
Keine Chance! Nicht nur daß wir die Räder nicht anschließen können, der Fahrradvermieter wird sich das auch vergolden lassen - Löcher im Korb hin oder her.

Doch Ramona hat am Straßenrand einen mobilen (natürlich) Straßenschlosser aufgetan. Wir müssen ihn zwar aus seiner Mittagssiesta aufwecken, aber er hat sichtlich Freude daran, uns zu beeindrucken. In Windeseile hat er das Billigschloß aufgebohrt, einen von unzähligen Rohlingen aus einer Grabbelkiste gewählt, daraus einen neuen Schlüssel gefeilt und das Schloß wieder versiegelt. Bei uns wär das Ding ersatzlos auf den Müll geflogen, doch der vietnamesische Schlossermeister verschafft uns für wenige tausend Dönger ein echtes Schlüsselerlebnis. So ausgestattet stürzen wir uns wieder in den Berufsverkehr.

natürliches Hindernis

Zwischendurch sind wir natürlich auch noch in der Zitadelle. Drinnen macht Ramona auf dieser Bank Rast, um sich etwas von der drückenden Hitze zu erholen. Vor dem Komplex steht ein putziger Bunker mit Fahnenmast.

es ist zu heiß Fahnenmastbunker

Ich mach noch meinen obligatorischen Marktbesuch und wir verabschieden uns von Hue und diesen Schulmädchen. Mit dem Nachtzug geht's weiter in den Norden nach Ninh Binh - da wollt ich schon immer mal hin ;)

Schulmädchen Markttreiben in Hue

Der Grund für einen Stop in Ninh Binh ist das in der Nähe liegende Tam Coc. Dort knattern wir mit dem Moped hin. Vor Ort verweigere ich mich den Bezahlparkplätzen und stelle unser Gefährt einfach zu denen der Einheimischen. Ein fataler Fehler.

etwas entfernt vom Tatort - andere Boote

Als wir von unserem Bootstrip zurückkommen sind beide Helme und ein Spiegel geklaut. Unglaublich in unseren Augen, da der Platz total belebt ist und mindestens ein paar dutzend Leute beobachtet haben müssen, wie sich jemand an dem Moped zu schaffen macht. Die Befragung der Frauen, die ihre Stände direkt daneben haben, bleibt erfolglos. Sie haben nichts gesehen. Es herrscht eine tief verwurzelte Einigkeit darüber, daß es ok ist, Ausländer abzuzocken. Uns fehlt das Verständnis für diese unkontrollierte Aggression.

Nach der Attacke - Blick zurück auf die Flußlandschaft von Tam Coc

Mit ordentlich Wut im Bauch, fällt es schwer den restlichen Tag zu geniessen. Später hab ich dann irgendwo gelesen, daß es übliche Praxis ist, Fahrräder oder Mopeds von Touristen mutwillig zu beschädigen, wenn die sich weigern die kostenpflichtigen Parkmöglichkeiten in Anspruch zu nehmen. Wir kommen noch ziemlich glimpflich aus der Nummer. Wieder in Ninh Binh gehe ich mit unserer Herbergsmutter auf Einkaufstour. Einer der Helme war so ein Pappding und ein Ersatzmodell ist spottbillig. Der andere war ein richtiger Helm und ein neuer ist nicht ganz so günstig. Einen Ersatzspiegel gibt's bei eine Werkstatt an der Straße aus der Grabbelkiste.
Ich habe meine Lektion gelernt. Ein Parkplatz kostet für uns Touris gerne schonmal das zehnfache der sonst üblichen 2000 Dong. Aber nachher für geklaute oder beschädigte Dinge am KFZ aufkommen ist noch ungünstiger. Das Kalkül der Parkmafia geht voll auf. Es steht 1:1.

Noch ein Wort zu den Gondolieri von Tam Coc. Die rudern zwar auch ähnlich wie die Fischer am Inle See mit den Füßen. Doch nur im Sitzen - das kommt an die Grazie der Burmesen nicht heran.

Sonntag, 15. Januar 2012

Grenzgefechte

Im "Planeten" les ich auf den ersten Seiten zu Vietnam irgendwas von "Copy Culture", "Pirating" und anderen Plagiatsvorwürfen. Die Vietnamesen machen angeblich alles nach. Doch gleich das erste Bild das ich schiesse, beweist das Gegenteil.

The south side?

THF NOBTK EACF steht auf dem Rucksack eines Passagiers in unserem Minibus von der kamodschanischen Grenze nach Pleiku. Hab ich noch nie gehört - muß eindeutig 'ne vietnamesische Marke sein. Also alles wieder mal nur Vorurteile.

Doch bevor wir in diesem Minibus sitzen, bekommen wir einen Vorgeschmack auf das was noch kommen soll, denn wir sind in unser erstes kleines Handgemenge verwickelt. Ein Minibus-Fahrer hat uns nämlich schon eingesackt, macht aber keine Anstalten loszufahren. Also checke ich das Gefährt vor uns, welches emsig mit Gütern und Menschen befüllt wird. Wir können für einen vernünftigen Preis mit. Doch der Fahrer vom ersten Minibus sieht seinen Gewinn dahinschwinden und will unser Gepäck nicht wieder freigeben. Also nehme ich es gewaltsam wieder an mich und wir zischen mit dem anderen Minibus ab.

Doch zu früh gefreut. In Pleiku angekommen will der Fahrer von uns einen viel höheren Preis als vereinbart. Hartnäckig versuche ich in Englisch zu erklären, warum wir nicht mehr zahlen als alle anderen. Der Fahrer, sein Gehilfe und einige Einheimische versuchen uns mit Händen und Füßen vom Gegenteil zu überzeugen und es herrscht eine große Aufruhr und ein paar Schaulustige gesellen sich bereits dazu. Auch dieser Fahrer vergreift sich an unserem Gepäck und wir stehen mit unseren Rucksäcken fest an uns verzurrt, den Kleinkram an uns klammernd und diskutieren hitzig weiter. Ich schlage vor die Polizei hinzuzuholen, um die Sache zu klären. Da meint er wir sollen einsteigen, er würde mit uns hinfahren. Aber wir steigen bestimmt nich wieder ein - wer weiß wo der mit uns hin will.
Schließlich drück ich ihm das kleine Geld in die Hand, deren Annahme er die ganze Zeit verweigert hat und wir kehren ihm den Rücken und marschieren zügig ab. Ich rechne noch mit einem Übergriff von hinten, aber sie lassen uns ziehen.
Mit zittrigen Händen löffeln wir am Busbahnhof eine Reisnudelsuppe, bevor uns ein offizieller, "großer" Bus mit Preisaushang weiter nach Kon Tum bringt. Was für ein unangenehmer Einstieg in unser letztes Reiseland.

Zuckerrohr Erfrischung lecker

Kon Tum ist herrlich untouristisch, was nicht nur Vorteile hat. Es gestaltet sich schwierig an ein paar Mietfahrräder zu kommen, um die nähere Umgebung zu erkunden. Dafür schekern wir mit ein paar Thälmann Pionieren, die grad Schulschluß haben und trinken am Straßenrand köstlichen Zuckerrohrsaft mit ihnen.
Unser Hotel hat unheimlich hohen Komfort; dafür kein Flair und die Stadt ist geradzu klinisch sauber - wenn man gerade aus Kambodscha kommt.

Kon Tum Stadtrand

In unmittelbarer Stadtnähe gibt es ein paar idyllische traditionelle Bahnar Siedlungen. Diese haben imposante Gemeinschaftshäuser auf Stelzen mit extrem viel Dach für so wenig Haus.

Gemeinschaftshaus fertig Gemeinschaftshaus unfertig

Davor spielen ein paar Jungs Fußball. Offensichtlich ist es üblich, daß die Verlierer die Gewinner huckepack über die Strasse tragen. So sind die verdammten Regeln.

Penalty walk

Der Gegensatz der Systeme ist hier keiner. Wahlkampfplakate zum nächsten 5-Jahres-Plan koexistieren friedlich mit Werbebannern westlicher Markenprodukte. Anders als in Kuba wo die Coca Cola aus Mexiko importiert wird oder man auf die verblüffend ähnlich aussehende Tu Kola zurückgreift, gibt es hier Coca Cola "exklusiv für den Verkauf im sozialistischen Vietnam". Mit dieser gestärkt geht's weiter über Danang nach Hoi An.

5-Jahresplan vs. Kapitalismus Exclusively for sale in Vietnam

Samstag, 5. November 2011

Wilder Osten

Postsäcke?

Ab die Post - wir legen noch einen eintägigen Zwischenstop in Phnom Penh ein.

Waschtag? kulinarische Köstlichkeiten

Noch schnell einen Blick auf die purpurnen Flüsse und die kulinarischen Köstlichkeiten der Stadt, führt unser Weg nach Norden und wir finden uns in Kratie wieder. Die Irrawaddy Delphine, die hier im Mekong schwimmen, kennen wir von den 4000 Islands aus dem Süden Laos'. Deshalb lassen wir diese hier in Frieden aussterben und erkunden lieber die Flußinsel Koh Trong.

Mekong Wüste mit Karawane

Der Mekong hat hier ein breites wüstenähnliches Ufer. Mit Fahrradreplikaten umradeln wir die Insel und treffen auf ein scheues Mangomädchen, dessen Vater hoch oben in einem riesigen Mangobaum die Früchte erntet. Das Mangomädchen hat die Aufgabe die Stiele abzuknipsen. Außerdem begegnen wir dieser Hirtenfrau, die ihr klappriges Vieh entweder auf die Wüste zum weiden oder durch die Wüste zum Saufen ans Ufer führt.

Mangomädchen Koh Trong Kühe

Am häufigsten trifft man jedoch den typischen Kambodschaner bei seiner Siesta.

pure Cambodia

Die ganze Gegend erinnert sehr stark an die 4000 Islands. Das ist auch nicht verwunderlich, schließlich liegen die nur ca. 200 Kilometer nördlich den Mekong hinauf.
An der Südspitze der Insel ist der Sandstrand deutlich schmaler und es gibt ein schwimmendes Dorf.

floating village

In Kratie machen wir noch unseren üblichen Marktrundgang und tags darauf geht's Richtung Nordosten in die Ratanakiri Provinz nach Ban Lung.

Markttreiben in Kratie altes Mütterchen im Getümmel

Was ist das schönste das einem in Kambodscha widerfahren kann? Wie überall auf der Welt: wenn ein Laster voll Bier seine Ladung verliert. Hier hat der Fahrer in Ban Lung uns Radlern noch begeistert zugewunken, um kurz darauf etwas zu schwungvoll in die Linkskurve zu gehen. Ein wunderschöner Anblick wenn einige hundert Dosen "Anchor" ihren Inhalt wie Minispringbrunnen auf die Straße versprühen.

Alkoholmißbrauch

In der Nähe des Ortes gibt es einen alten Kratersee, in dem man prima baden kann; der aber ansonsten überbewertet ist und eher einem mecklenburgischem Binnengewässer ähnelt. Die umliegenden Wasserfälle werden ebenfalls sowohl von den einheimischen Kindern als auch von uns bebadet.

Badejunge begehbarer Chaa Ong Wasserfall

In Ban Lung haben wir eine herrliche Unterkunft, wo wir Nina aus Australien wiedertreffen, die wir zuvor in Kratie kennengelernt haben. Mit ihr erkunden wir einige der Wasserfälle per Rad bevor wir uns mit einem großen Eis vom Eisauto belohnen.

sieht nich so aus - is aber anstrengend ein halbes Stangeneis bitte

Einem britischen Pärchen in den Flitterwochen überlassen wir unseren Dreiecksverband. Sie hatten einen Unfall mit dem Moped, wobei er sich das Schlüsselbein gebrochen hat. Das erkennt man auch als medizinischer Laie, denn der Knochen steht seltsam unter der Haut hervor. Keiner weiß, wie man das Dreieckstuch ordentlich anlegt, sodaß wir alle gebannt auf ein YouTube-Video schauen, welches es demonstriert.
Mit 'nem iPhone schießen wir ein Bild von der Röntgenaufnahme und schicken es seinem Arztfreund in England. Wo wären wir nur ohne Internet und Gadgets?

Von allen Ländern Südostasiens erscheint uns Kambodscha immer noch als das ärmste. Nirgendwo sonst haben wir solche dreckigen und stinkenden Märkte besucht.

Rückseite vom Markt in Ban Lung

Den Kindern ist die Armut oft anzusehen, wie hier bei einem Tagesausflug mit dem Moped ins Umland.

in the middle of nowhere

Doch als nächstes erwartet uns das saubere sozialistische Vietnam und wir machen uns auf den kurzen Weg nach Osten zum Grenzübergang O Yadaw, der von Backpackern aus mir unbekannten Gründen praktisch nicht genutzt wird. Wir sind jedenfalls die einzigen Weißen an der Baustelle.

en route

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